Lockdown – Kollateralschäden, Risiken und NebenwirkungenLesezeit ~ 11 Min.

Von Torsten Seidel, aktualisiert am 5. März 2021

Seit Monaten leben wir im Lockdown – je nach Inzidenzwert und politischer Entscheidung. Dabei ist ein Lockdown eine Maßnahme, um Zielwerte zu erreichen. Hier geht es mir aber nicht um Verhältnismäßigkeiten. Mir geht es in diesen Beitrag um die Nebenwirkungen, auch Kollateralschäden genannt. Denn jede Therapie oder Behandlung hat auch unerwünschte Wirkungen – die medial aber kaum angesprochen werden.

Lockdown-Kollateralschäden – Nebenwirkungen und Verhältnismäßigkeiten

Wer über Verhältnismäßigkeiten gegenüber dem Lockdowns spricht, wird nicht selten in die Ecke der Leugner und Verschwörungstheoretiker geschmissen. Dies ist primär auch nicht meine Intension dieses Beitrags. Auch gab es bereits eine erst kürzlich veröffentlichte Studie aus Stanford, die sich generell mit Lockdowns auseinander gesetzt hat.

Jedoch ist es eine ganz normale Praxis bei einer Therapie, Wirkung und Nebenwirkungen gegenüberzustellen. Nur beim Lockdown findet dieser Vergleich nicht statt. Ganz im Gegenteil: Bei der Bundes-Pressekonferenz werden Studien-Beispiele aus anderen Ländern abgewiesen. In Deutschland sind so laut Aussagen von Herrn Hanno Kautz (Gesundheitsministerium) keine psychische Belastung bei Kindern bekannt und keine Kollateralschäden¹⁰. Es wird auf Statistiken und Zahlen des RKI verwiesen. Diese bestätigen dies bisher nicht. Leider ist dem nicht so, wie auch die öffentlichen Medien inzwischen berichten. Und auch das RKI hat bereits April 2020 auf mögliche Kollateralschäden in Folge der Pandemie hingewiesen.

Inoffizielle Nebenwirkungen

Dass ein Lockdown belastend ist, kann wohl keiner leugnen. Niemand möchte über längerer Zeit eingesperrt sein. Es ist aber ein Unterschied, wenn ich Gegebenheiten (Lockdown) für mich akzeptiere und tapfer hinnehme. Dem gegenüber stehen psychische Belastungen durch Bewegungsmangel, Druck beim Home-Office, Druck mit Kindern – ob nun Homeschooling oder auch nicht, Belastungen in Partnerschaften und Familien.

Lockdown-Kollateralschäden
Lockdown-Kollateralschäden

Eine gewisse Zeit ist das kaum ein Problem. Aber ohne Licht im Dunkel über Monate hinweg durchaus. Aus all den Problemen entwickeln sich körperliche Beschwerden und Krankheiten wie auch psychische.

Wenn ein Medikament zu viele unerwünschte Nebenwirkungen zeigt, wird es entweder abgesetzt, oder zumindest gewarnt. So zum Beispiel bei Schmerztabletten, die Leber und Niere schädigen.

Je nach Quelle, kann man nun eine Reihe von Nebenwirkungen aufzählen. Diese werden von der Regierung und vielen Medien als sogenannte „Kollateralschäden“ bezeichnet. Das Wort Kollateralschaden war übriges das „Unwort des Jahres 1999“. Damals stand der Nato-Begriff im Zusammenhang mit dem Kosovo-Krieg. Leben wir heute weltweit in einem Krieg?

Mit dem „Unwort“ habe die Nato den Tod unbeteiligter Zivilisten im Kosovo-Krieg als ungewollten Nebeneffekt heruntergespielt, erklärte Jury-Sprecher Horst Dieter Schlosser im „Spiegel“¹.

Ein Überblick der „Kollateralschäden“

Eine britische Studie zeigt nun folgende Erkenntnisse². Eine erhöhte Sterbewahrscheinlichkeit (Im Vergleich Januar bis März 2020) im Lockdown bei Menschen mit Demenz um bis zu 53% und bei Menschen mit schwere psychische Störungen um 123%!

Die Sterbewahrscheinlichkeit von Herz-Patienten, die im Lockdown eingeliefert wurden, stieg ebenfalls signifikant. Die medizinische Universität Graz stellte fest, dass in der Steiermark im Vergleich der letzten 4 Jahre, die Sterberate um 65% bei Herzkrankheiten, und 85% bei Herzinfarkt angestiegen war. Dies sei generell daran zurückzuführen, dass im Lockdown die Menschen länger warten, bis Hilfe gerufen, oder ein Krankenhaus aufgesucht wurde.⁸

Auch das „ärztliches Journal“ berichtete über „Kollateralschäden durch Corona“ im November 2020.¹³ Ein Chefarzt beschrieb, dass Patienten eine Behandlung aus Angst vor den Coronavirus verzögern oder verdrängen. Viele akute Erkrankungen wie beispielsweise Herzinfarkt gingen in den letzten Monaten um rund einem Drittel zurück. Darüber hinaus, wurden Kapazitäten eingeschränkt.

Zitat, Dr. med. Dennis Bösch, Chefarzt der Medizinischen Klinik V, Donau-Isar-Klinikum: „Verschobene Kontrolltermine, verzögerte Abklärungen, eingeschränkte Kapazitäten – in Zeiten der Corona-Pandemie stellt längst nicht mehr allein die unmittelbare Bedrohung durch den SARS-CoV-2-Erreger eine Gefahr dar. Kollateralschäden entstehen auf ganz verschiedenen Ebenen und in sämtlichen Lebensbereichen und lassen die Opferzahlen weiter steigen.“

Psychische Belastungen

Die Gewalt gegenüber Frauen und Kindern stieg im Lockdown ebenfalls. Konflikte werden durch „Zwangs-Maßnahmen“ erhöht. Wenn Schulen und Kindergärten geschlossen sind, sieht kein Erzieher alarmierende Zeichen. Und Frauen werden durch Home-Office und sozialen Rückzug ebenfalls allein gelassen.

Gleiches wurde bei sexuellen Übergriffen im März bis Ende Juni 2020, im Vergleich mit den gleichen Zeitraum im Vorjahr festgestellt. Während der Zeit des Lockdowns in Irland, erhöhte sich der Kontakt an Krisenzentren um 98%!³

Auch der Alkoholkonsum stieg erheblich an. So stellte eine amerikanische Studie fest, dass 28% der Befragten mit normalen Trinkverhalten im Lockdown mehr tranken als zuvor. Per Online-Umfrage wurden 1.982 Teilnehmer zu Ihren Trinkverhalten befragt. Darunter waren 69% weiblich und 31% männlich. Bei Personen mit alkoholischen Problemen steigerte sich der Alkoholkonsum sogar auf 60%, und 34% gaben Alkoholexzesse an!⁴ Die Studie schlussfolgerte:

Schlussfolgerung: Spezifische COVID-19-bezogene Stressfaktoren hängen mit dem Alkoholkonsum zusammen. Dies unterstreichen die zusätzlichen und unbeabsichtigten Auswirkungen der COVID-19-Pandemie, die langfristige gesundheitliche Folgen für die Bevölkerung haben könnten.

Weniger Sport

Auch sportliche Aktivitäten gingen laut einer deutschen Umfrage um 31% zurück⁵. Dies ergab eine Umfrage von Forschern der „Justus-Liebig-Universität Gießen“. Die Befragten zogen sich entweder von den sportlichen Aktivitäten gezwungenermaßen zurück, oder hielten ganz auf. Der Grund liegt in Schließungen von Sportanlagen, Sportvereinen, Bädern und Fitness-Clubs. Laut Studie lag als Konsequenz die Stimmung am Boden. Der Bewegungsradius von 15km, schränkt sportliche Aktivitäten zusätzlich ein.

Armut durch den Lockdown

Von den Folgen der mit den Maßnahmen verbundenen Armut, schrieb kürzlich das „Handelsblatt“. Laut UNO haben die Maßnahmen 150 Millionen Kinder zusätzlich in Armut gestürzt!⁶

Unicef-Chefin Henrietta Fore sagte: „Familien, die gerade dabei waren, der Armut zu entkommen, sind wieder hineingezogen worden, während andere mit nie gesehenen Entbehrungen umgehen müssen.“

Laut Weltbank, betrifft dies bis Ende 2021/22 ca. 88-115 Millionen Menschen, deren Überleben aufgrund der Armut in Gefahr ist!⁷

Belastung der Kinder

Hirnforscher Dr. Gerald Hüther warnt ebenfalls. Er sprach im „Deutschlandfunk“ und „Evangelischen Pressedienst über die Belastungen der Kinder. Laut Hüther müssen sie seit einem Jahr „ihre ureigensten Bedürfnisse unterdrücken, um diese Situation auszuhalten“. Für ein 7 jähriges Kind sei diese Zeit in etwas so lang, wie 10 Jahre für einen 70 Jährigen Menschen.¹²

Zitat: „Die Kinder versuchen, uns Erwachsenen alles recht zu machen. Wenn man denen sagt: Du musst die Maske aufsetzen, du musst Abstand halten, du darfst die Oma nicht mehr in den Arm nehmen, dann nimmt das die Oma nicht mehr in den Arm. Und wenn das ein halbes Jahr so ist, dann will es die Oma auch nicht mehr in den Arm nehmen. (…) Am Ende ist die Oma vielleicht keine wichtige Begleitperson mehr für den Rest des Lebens. Wollen wir das?“

Weitere „Nebenwirkungen“ und „Kollateralschäden“ zusammengefasst

Die TV-Moderatorin Marlene Lufen (Sat 1 Frühstücksfernsehen) hat ganz aktuell einen emotionalen Appell auf Instagram veröffentlicht. Darin selbst recherchierte Informationen, die ich gern einmal zusammenfassen möchte⁹:

  • Die Gewaltambulanz der Charite Berlin hat 23% mehr Gewalt an Kindern im 1. Halbjahr 2020 ermittelt.
  • 461.000 Kinder haben 2020 die „Nummer gegen Kummer“ gewählt. Die Online-Beratung hatte einen Zuwachs von 31% (10.428 Beratung mehr als im Vorjahr)!
  • Die „Jugend-Notmail“ und die „Online-Jugend- und Elternberatung“ haben seit März 2020 eine Zunahme von bis zu 50%.
  • Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ verzeichnet einen Sprunghaften Anstieg seit April 2020 von 15-20% mehr als zuvor.
  • 67% der Jugendlichen zwischen 18 und 24 fühlen sich zur Zeit überdurchschnittlich psychisch belastet.
  • Es gibt vermehrt psychische Störungen einer Magersucht seit Herbst 2020. Das sind viele Menschen (vorwiegend Frauen), die bereits in Therapie waren, aber auch Erstkontakte. Generell leider 800.000 Menschen in Deutschland auch ohne Lockdown an einer Magersucht, an der 6-10% daran sterben!
  • 74% der bereits an Depression erkrankten Menschen gaben bei einer Umfrage an, dass der Druck im Lockdown erhöht ist
  • Mehr als 50% leben als Single – junge, aber auch alte Menschen. Während junge Menschen online oder außerhalb der Wohnung Möglichkeiten finden, sitzen alten Menschen Monate lang allein isoliert zu Hause. Hier hat schon eine Studie aus dem Jahr 2015 gezeigt, dass soziale Isolation die Sterbewahrscheinlichkeit um 29% erhöht (bei Einsamkeit auf 26%), auch wenn Betroffene die Situation nicht als belastend empfanden.¹⁴
  • Existenzen von Selbständigen gehen zu Grunde. Als Selbständiger kann ich diesen Punkt leider auch nur bestätigen…

Meine Literatur-Empfehlung*

🔗 Lothar Beckenbauer: Stärke dein Immunsystem – Kampf gegen Covid-19 – Schützen Sie sich vor dem Coronavirus und anderen Krankheiten
🔗 Clemens G. Arvay: Corona-Impfstoffe: Rettung oder Risiko? – Wirkungsweisen, Schutz und Nebenwirkungen der Hoffnungsträger
🔗 Uwe Gröber, Michael F. Holick: Corona, Influenza & Co. – Wie stärke ich mein Immunsystem? Dieses Buch gibt Antworten.

Der Virologe Hendrik Streeck, Leiter des „Instituts für Virologie der Universitätsklinik Bonn“, hat es nun in einem Interview in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ auf den Punkt gebracht. Die Politik weiß viel über das Virus, so Streek. Aber man müsse auch die gesellschaftlichen „Kollateralschäden“ durch den Lockdown nicht aus den Augen verlieren.¹¹

Zitat: „Die Politik muss abwägen und darf sich nicht nur von Virologen, Epidemiologen und Physikern leiten lassen. Kinderärzte, Psychologen und Soziologen warnen vor den Kollateralschäden, die Wirtschaft und Künstler leiden: All dies gilt es zu bedenken.“



Quellen / Fußnoten anzeigen

¹ https://www.spiegel.de/panorama/sprache-kollateralschaden-ist-das-unwort-des-jahres-1999-a-61085.html
² https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3672334
³ https://www.irishtimes.com/news/social-affairs/covid-19-reports-of-rape-and-child-sex-abuse-rise-sharply-during-pandemic-1.4308307
https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/00952990.2020.1832508
https://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/1012690220934335
https://www.handelsblatt.com/politik/international/pandemie-hunger-armut-vernachlaessigte-gesundheitsvorsorge-so-schlimm-sind-die-kollateralschaeden-der-corona-bekaempfung/26196874.html
https://www.worldbank.org/en/publication/poverty-and-shared-prosperity
https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371%2Fjournal.pone.0239801
https://www.instagram.com/tv/CKtDJhIKcf5/
¹⁰ https://de.rt.com/inland/112613-bundesregierung-erkenntnisse-kollateralschaden-corona-massnahme/
¹¹ https://de.rt.com/inland/112589-streeck-fordert-auch-lockdown-kollateralschaden/
¹² https://de.rt.com/gesellschaft/112477-verlorene-kindheit-lockdown-schadet-kindern-langfristig/
¹³ https://www.aerztliches-journal.de/medizin/allgemein-medizin/corona/kollateralschaeden-durch-corona/bce2058b9b808cff2e4057a7033c08d5/
¹⁴ https://www.heise.de/tp/features/Ueber-die-ignorierten-Kollateralschaeden-von-Lockdowns-4993947.html


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Torsten Seidel Hier schreibt: Torsten Seidel
Gesundheits-Blogger mit Ausbildung zum ganzheitlichen Gesundheitsberater (fachliche Bez.: "Fachkompetenz für holistische Gesundheit"). Mehr Informationen in "Über mich". Gern beantworte ich auch Leserfragen. | Beiträge abonnieren mit RSS-Feed.

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