TikTok und Insta – Machen soziale Netzwerke krank?Lesezeit ~ 12 Min.

Von Torsten Seidel, aktualisiert am 28. September 2022

Die Frage, ob soziale Netzwerke krank machen können, wird immer wieder diskutiert. Meiner Meinung gibt es da auch keine pauschale Antwort, geht es ja um die Dauer. Es gehören verschiedene Faktoren in dieser Überlegung herein. Ich versuche, dem einmal auf den Grund zu gehen. Eine Mischung aus Fakten und eigener Meinung.

Social Network – gibt es ein gesundes Maß?

Nutzt du soziale Medien? „Klar, wer nicht“, würden wahrscheinlich jetzt die meisten antworten. Wie schaut es bei den Kindern aus, dürfen die ans Handy, PC und Tablet? Hier gehen die Meinungen schon sehr weit auseinander. Eine Stunde, oder zwei am Tag? Oder gar nicht? Und wenn nein, bis zu welchem Alter warten?

Ich habe mich mit diesen Fragen Monate befasst und auch zum Teil selbst getestet. Denn sofern es gesundheitlich möglich ist, versuche ich alles selbst zu ergründen, ohne vorgefasste Meinungen zu übernehmen.

Mein Hintergrund

Machen social Medien krank
Machen soziale Medien krank

Bis ins Jahr 2013, oder 32 Jahre, habe ich die sozialen Netzwerke privat nahezu gar nicht genutzt. Ich war in Facebook und Twitter nur deshalb, damit ich eine Fan-Page für das Gewerbe anlegen konnte. Private Posts gab es nicht und ich folgte auch nahezu keinem. Dann gab es in meinem Leben Veränderungen und ich ging nach und nach mehr auf Facebook und Co. Ich versuchte jedoch immer das „gesunde Gleichgewicht“ zu halten.

Funktioniert das überhaupt? Ja, bei mir ging das damals vor allem, weil ich nur Kontakt zu mir bekannten Personen hatte und der Sache ohnehin kritisch gegenüberstand. Doch über die Jahre war ich immer öfter im Netz, teilte Bilder mit Freunden und kommunizierte immer mehr darüber. Heute ist es nicht mehr wegzudenken, ich versuche aber noch immer das richtige Maß zu behalten.

„Schwächen der menschlichen Psyche“

Es gibt Studien, die besagen, dass soziale Netzwerke Stress auslösen können. Nämlich dann, wenn man ständig den Drang hat, nach den neuesten Meldungen zu schauen. Dann, wenn man etwas postet und auf Likes wartet. Oder auch dann, wenn man auf Kommentare und Reaktionen vielleicht vergebens wartet. Vor allem aber auch, wenn aus dem alles ein Kreislauf wird. Neben der Stress-Wirkung kommt natürlich auch ein gewisses Sucht-Potenzial hinzu. So wurde Facebook programmiert, wie der Ex-Entwickler Sean Parker reumütig im Nachhinein zugegeben hat (Quelle; auf einer Veranstaltung der US-Nachrichtenwebsite Axios in Philadelphia am 08.11.2017):

Zitate: „Soziale Medien sind darauf ausgelegt, Schwächen der menschlichen Psyche auszunutzen“; „Es ändert buchstäblich euren Umgang mit der Gesellschaft und untereinander“; „Es stört wahrscheinlich auf komische Weise eure Produktivität. Gott allein weiß, was es mit den Gehirnen unserer Kinder macht.“

Sean Parker, Facebook Ex-Entwickler

Auf Facebook ist Parker, der durch seine Facebook-Anteile zum Milliardär wurde, noch online. Allerdings sehr wenig.

Bei mir war es ähnlich, wenn auch sicher nicht so extrem. Wie mit jeder Sucht, merken es Betroffene meist nicht, oder versuchen es „schönzureden“ oder herunterzuspielen. Dass ich es erkannt habe zeigt, dass ich nicht zu weit drin war. Ich beschloss also die App vom Smartphone zu löschen und ging über den Browser nur noch zweimal am Tag rein – Früh und Abend.

Und dann beginnt Folgendes: Man merkt, wie oft man nach dem Handy greifen will, nur um zu schauen, ob es Neues gibt. Studien zeigten, dass im Durchschnitt alle 7 Minuten aufs Handy geschaut wird. Alle 7 Minuten! Das schafft inneren Stress. Da heißt es, nicht nachgeben! Nach einer gewissen Zeit hat sich der Kopf daran gewöhnt, dass es jetzt mehr Zeit gibt, die man sinnvoller nutzen kann. Dann sollte die soziale Zeit auf max. einmal pro Tag (wenn möglich noch weniger) reduziert werden. Im Urlaub habe ich immer ganz verzichtet, da gibt es sinnvolleres, was man mit seiner Zeit anfangen kann. Vor allem hat es nur dann eine gesundheitliche Wirkung.

Heute trifft man mich immer weniger auf Facebook an. Da ich nach wie vor die gewerbliche Seite betreuen muss, kann ich natürlich nicht fern bleiben.

Gefahren im Netz und den sozialen Netzwerken

In die Überlegung „etwas zu ändern“ sind auch Ereignisse eingeflossen, die weniger schön sind. Andere können da vielleicht sogar deutlich negativeres berichten. Gerade Kinder und Jugendliche, die teilweise verbotenerweise auf solche Plattformen sind (da bis 16 Jahren lt. JuSchG und DSGVO untersagt), werden von Mitschülern mitunter heftig gemobbt, beleidigt oder vorgeführt. Ich habe mich gern an kontroverse Diskussionen beteiligt, wo meine Meinung grundsätzlich die gegen die Masse war. Dementsprechend erntend man Gegenwind.

Wenn es sich hier um vernünftige Diskussionen handeln würde, wie man dieses Auge in Auge auch machen würde, wäre das auch in Ordnung. Doch im anonymen Netz kennen manche keine Erziehung mehr und beleidigen, unterbuttern, akzeptieren keine andere Meinung und diskriminieren den Gesprächspartner vor versammelter Community. Ich hatte es schlicht satt. Denn ich kontere nicht im gleichen unteren Niveau. Wer sich da schnell nach unten ziehen lässt, landet schnell in einer psychischen Krankheit (Depression). Ich habe mich lediglich geärgert, was aber auch keine wohltuenden Gefühle hinterlässt.

Man kann also zusammenfassen, das (mitunter un-) soziale Netz kann auch krank machen. Und das auch die, die kräftig austeilen. Denn du läufst immer noch Gefahr einer Sucht und Empathielosigkeit. Und bei Suchtmitteln gibt es kein gesundes Maß!

Passend dazu das Wort des Jahres 2015: Smombie. Der Begriff setzt sich aus Smartphone und Zombie zusammen und beschreibt genau das. Nicht selten sind Handynutzer auf den Handy starrend gegen Laternen, in einen Brunnen oder gar in den fahrenden Straßenverkehr gelaufen. Wenn es peinlich wurde, hat es vielleicht geholfen. Passiert schlimmeres, ist es nicht mehr lustig… Aber es ist schon sehr bezeichnend, dass es inzwischen immer mehr Ampeln in größeren Städten gibt, die ein Licht-Signal auf dem Boden haben.

Promis machen es vor

Selbst Promis sind inzwischen genervt oder merken, dass soziale Netzwerke nicht immer gut sind und eine Social Media Detox-Zeit benötigen. Im folgenden drei Beispiele aus 2018, die mir durch Pressemeldungen damals für einen anderen Beitrag aufgefallen sind:

Die 2018, 25-jährige Musikerin Miley Cyrus. Sie löschte damals alle Beiträge auf ihrem Instagram-Account. Ihr Twitter-Account bestand weiterhin, aber es wurde seinerzeit eine längere Pause eingelegt. Auf Facebook änderte sie am 13. Juli 2018 ihr Profilbild und Facebook-Bild: Ein schwarzes Bild schmückte die Seite und hatte über 57.000 Likes erhalten (kaum zu glauben…). Die genauen Gründe sind mir nicht bekannt. Eine unbekannte Quelle sprach bei „Entertainment Tonight“ von einer dringend benötigen Pause, wie Heise Online berichtete. Sie schien mit damals nur 25 Jahren wohl ausgebrannt zu sein.

Der US-Komiker Pete Davidson sagte, „das Internet ist ein teuflischer Ort und tut mir nicht gut“. Auch er löschte auf Instagram sämtliche Inhalte. Das war ebenfalls 2018. Heute ist sein Profil privat und hat nur noch 225 Abonnenten. Schauspieler Michael Rooker löschte zwar nichts auf Instagram, stellt aber 2018 ebenfalls eine längere Pause ein. Twitter deaktivierte er, nach einem Twitter-Post: „Twitter ist scheiße, und ich will damit nichts mehr zu tun haben“, so Hollywood Reporter.

Social Media Detox – Facebook-Pause: US-Studenten laut Studie weniger depressiv

Eine Studie¹ durch Forscher aus Ecuador und dem US-Bundesstaat Texas mit 1769 US-Studenten ergab, dass es bereits nach einer Woche positive Anzeichen gab. Sie aßen weniger auswärts, tätigten weniger Impulskäufe und gingen mit ihrer Zeit effizienter um. Das gesunde Verhalten stieg an. Studienteilnehmer, die drei Wochen lang auf Facebook, Snapchat oder Instagram verzichteten, zeigten danach deutlich weniger Anzeichen von Einsamkeit und Depressionen. Es wurde aber auch gezeigt, dass die meisten Teilnehmer trotz positiver Auswirkungen wieder zurückwollten. Dies sind deutliche Anzeichen einer Sucht und sicher auch dem Zeitgeist geschuldet.

Die Teilnehmer verbrachten durchschnittlich 1,9h/ Tag in Facebook. Das ist viel Zeit, für US-Verhältnisse aber schon wieder wenig. Dennoch gab es positive Auswirkungen, wie die Studie zeigt. Die Studie wollte auch den Nachrichtenkonsum prüfen. Es zeigte sich, dass es keinen Anstieg anderer Medien gab.

Sichtbarkeit der Likes seit 2019 geändert

Facebook und das zum Meta-Konzern gehörende Instagram zog Ende 2019 wohl die Reißleine. Gleiches führte YouTube ein. Seitdem können in Facebook/ Instagram Likes so eingestellt werden, dass diese nur noch den Seitenbetreiber auf den Like genau angezeigt werden. Besucher werden dann gar keine Likes angezeigt. Dies soll das Vergleichen verhindern und Anonymität waren. Es war auch geplant, dass die Live-Funktion generell nur noch dem Betreiber angezeigt wird. Wann die Funktion in Deutschland kommt, ist derzeit unklar, ist es doch seit 2019 im Gespräch. YouTube rundet seit 2 Jahren Likes und Abo-Angaben über 1000 Abonnements. Zusätzlich kann man diese Angabe als Betreiber verbergen.

Müssen es alle sozialen Netzwerke sein?

Es gibt etliche soziale Netzwerke. Ganz vorne natürlich Facebook, Instagram und TikTok. Doch muss man wirklich überall vertreten sein? Reicht nicht ein Account, den man jedoch nicht täglich besucht? WhatsApp und Telegram habe ich in dem Zusammenhang noch gar nicht erwähnt. Diesen Kanal nutze ich natürlich auch, habe mich aber etwas zurückgezogen, zumindest aus WhatsApp. Wenn es im Rahmen bleibt, mag es gehen. Schlussendlich muss man auch nicht jedem mitteilen, was auf dem Mittags-Teller lag. 😉

Bei all den vernichtenden Kritiken hat das Netz natürlich auch seine guten Seiten. Aber es gehört ein verantwortungsvoller Umgang dazu. Ich arbeite im Netz. Ohne Internet kein Geld. Doch übertreibe ich es, spüre ich das ganz genau. Das Smartphone sollte als „Werkzeug“ angesehen werden. Inzwischen kann man auch alles Mögliche damit machen. Als Hilfsmittel, ohne stundenlang daran zu sitzen, ist es natürlich bewusst nutzbar.

Häufige Fragen und Antworten


Quellen / Fußnoten öffnen… ¹ https://www.niemanlab.org/2019/10/college-students-who-go-off-facebook-for-a-week-consume-less-news-and-report-being-less-depressed/<
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Vielen Dank.

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Torsten Seidel Hier schreibt: Torsten Seidel
Gesundheits-Blogger mit Ausbildung zum ganzheitlichen Gesundheitsberater (fachliche Bez.: »Fachkompetenz für holistische Gesundheit«) mit Spezialisierung in Stressmanagement (IHK). Mehr Informationen in »Über mich«. Gern beantworte ich auch Leserfragen. | Beiträge abonnieren mit RSS-Feed.

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