TikTok und Instagram Reels – Perfektion der AbhängigkeitLesezeit ~ 9 Min.

Von Torsten Seidel, aktualisiert am 28. September 2022

Vor einiger Zeit stellte ich mir bereits die Frage, ob soziale Netzwerke krank machen können. Nun habe ich mich einmal genauer mit TikTok und Instagram auseinandergesetzt. Hintergrund waren meine eigenen Marketing-Möglichkeiten sowie Verbesserung der Reichweite. Dabei sind mir auch negative Aspekte ins Auge gefallen, die ich hier gern teilen möchte.

Machen soziale Medien abhängig?

Diese Frage habe ich mir schon lange gestellt. Es steht außer Frage, dass soziale Medien immer mehr Einzug in den Alltag halten. Und dies inzwischen in beinahe jeder Altersgruppe, was grundsätzlich nicht schlecht sein muss. Dies haben viele im vergangenen Jahr (Oktober 2021) bemerkt, als Facebook, Instagram und WhatsApp ausgefallen sind. Für sechs Stunden sind die sozialen Dienste zum Stillstand gekommen.

TikTok und Instagram Reels
Social Media – Perfektion der Abhängigkeit

Im Zuge meiner Recherche zum Thema „Reichweite erweitern“ im Social Media, habe ich mir einmal genauer Instagram und seit neuesten auch TikTok angesehen. Auf Instagram sind es vorwiegend die Storys und Reels die viel Zeit verschlingen. Wenn man Aufmerksamkeit auf sich ziehen will, kommt man nicht um diese beiden Tools herum. Allein über die Timeline erreicht man nur einen Bruchteil der User.

Gerade im Bereich Video ist aktuell TikTok sehr beliebt und schlägt sogar die YouTube Watchtime. Inspiriert durch einen Filmemacher habe ich mir die Plattform einmal genauer angeschaut. Hier kann man Videoschnipsel bis hin zu kleinen Filmchen hochladen. Die Macher der chinesischen Plattform haben sich hier psychologisch alle Mühe gegeben und die bestehenden Plattform um ein Vielfaches getoppt, was den Suchtfaktor angeht. Zumindest ist das mein Eindruck.

Aus der Sicht eines Filmemachers oder TikTok-Creators, sollte man zumindest in der ersten Zeit bis zu 4 Videos pro Tag hochladen. Das sind eine Menge Filmchen, die auch ansprechend erstellt werden sollten, aber auch schnell in Stress ausarten können. Der Algorithmus von TikTok pusht aber gerade neuer User. Schnell kann man hier eine beachtliche Anzahl an Abonnenten gewinnen.

Aber auch auf Instagram sind täglich ein bis zwei neue Videos nötig, will man seine Reichweite erweitern. Da Videos nur wenige Stunden im neuen Feed zu sehen sind, sind diese recht kurzlebig, was natürlich auch TikTok betrifft.

Befindet man sich auf der anderen Seite – als User – bei TikTok, wird mit Öffnen der App sofort ein beliebiges Video angezeigt. TikTok lernt rasant die Vorlieben und spielt passende Videos aus. Schnell befindet man sich in einer „Blase“ und schaut ein Video nach dem anderen. Wie auch bei den Instagram Reels schiebt man nach oben und komm zum nächsten Video. Eine Timeline im Sinne der gewohnten Instagram-Timeline gibt es bei TikTok nicht. Man hat die Möglichkeit, zu den einzelnen TikTokern zu gehen, und dort Videos dem Datum sortiert anzuschauen. Da TikTok schnell lernt, fesselt es den User am Bildschirm. Wenn man sich nicht selbst konsequent eine Grenze setzt, vergehen dabei Stunden. TikTok hat es psychologisch geschafft, den Suchtfaktor noch ein wenig über Instagram zu platzieren, wobei die Insta Storys auch fesselnd sein können.

Drogenbericht 2019 – eine alarmierende Studie

  • 85 % der 12- bis 17-Jährigen nutzt soziale Medien jeden Tag.
  • Die tägliche Nutzungsdauer beträgt im Schnitt annähernd drei Stunden. Die meiste Zeit verbringen die Kinder und Jugendlichen mit der Nutzung von WhatsApp (66 %), gefolgt von Instagram (14 %) und Snapchat (9 %).
  • 2,6 % der 12- bis 17-Jährigen erfüllen die Kriterien einer Social Media Disorder (gerechnet auf 100.000). Das heißt, dass sich das gesamte Denken und Verhalten auf Computerspiele oder Social Media verengt. Andere Freizeitaktivitäten werden aufgegeben, es wird (häufig) die Schule geschwänzt und der Konsum heruntergespielt.
  • Bei 5,8 % aller 12- bis 17-Jährigen ist von einer Computerspiel- oder Internetabhängigkeit auszugehen.
  • Weibliche Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren sind 3 % stärker betroffen als die männlichen Jugendlichen dieser Altersgruppe. Möglicherweise auch durch Selfies.

Die Zahlen habe ich der Techniker-Krankenkassen entkommen. Demnach wurden weniger harte Drogen, (abgesehen von Cannabis) konsumiert. Im Drogenbericht hinzugekommen ist die „internetbezogene Störung“ – die suchtartige Social-Media-Nutzung. Das Ergebnis ist alarmierend. Der Beitrag der Studie ist überschrieben mit „Digital Junkies“. Bisher kannte man diese Begrifflichkeit nur von der Lebensmittelindustrie, Stichwort „Junkfood“. In früheren Zeiten bezeichnete man Drogenabhängige als „Junkies“. Es ist bedenklich, dass „Sucht“ nun auf einer ganz anderen Ebene stattfindet.

Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Zahlen nach 2019, in der Coronazeit verschärft haben. Denn durch Lockdown und Schul-Schließungen wurde es sicher nicht besser.

Mein Résumé

Schlussendlich ist jeder selbst für sein Handeln verantwortlich. Komplett ohne Social Media funktioniert heute nur noch schwer. Aber ich bin überzeugt, man sollte die sozialen Medien mit Bedacht und Achtsamkeit nutzen. Die Facebook- und Instagram-App bieten beide eine Nutzungsstatistik. So kann man die zeitliche Kontrolle halten. In Amerika gehen Jugendliche im Durchschnitt bis zu 6 Stunden online. Hierzulande ist es gut die Hälfte. So findet ihr die Statistik:

  • Facebook: [drei Striche – Menü] > Einstellungen und Privatsphäre > Einstellungen > Präferenzen > Deine Zeit auf Facebook > Nutzungszeiten ansehen
  • Instagram: [drei Striche – Menü] > Deine Aktivität > Oben rechts auf „Zeit“ gehen

Was Kinder betrifft, sind natürlich die Eltern in der Pflicht, wobei das natürlich schwer ist. Aber es gibt die Möglichkeit, Netzwerke einzuschränken sowie die Zeiten für das Internet festzulegen – zumindest in den eigenen vier Wänden. Aber auch als Erwachsener sollte man verantwortungsbewusst mit den Medien umgehen und es nicht übertreiben. Man ist schneller in der Sucht, als man glaubt!

Deshalb kann ich auch nur jeden empfehlen, sogenanntes „digitales Festen“ von Zeit zu Zeit einzulegen. Das heißt, auf digitale Medien zeitweise zu verzichten.

Mein Umgang mit den sozialen Medien

Ich persönlich habe noch nie mein halbes Leben ins Internet gestellt. Sicher den ein oder anderen Ausflug oder Statement. Mehr allerdings auch nicht und zumindest privat nie täglich. Aufgrund der Nutzung für mein Gewerbe habe ich mich ursprünglich bei Facebook angemeldet. Privat genutzt habe ich es bis vor einigen Jahren gar nicht.

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Ich habe für mich entschieden, soziale Medien mit Bedacht zu nutzen. Am liebsten zu festen Zeiten, was nicht immer gelingt. Um jedoch Zielgruppen zu erreichen, sind die sozialen Medien heute unabkömmlich. Ich werde Storys auf Instagram platzieren, die automatisch auf Facebook erscheinen. So spare ich mir schon ein Netzwerk. Das Gleiche funktioniert bei Beiträge. In Bezug auf TikTok werde ich als Creator größtenteils Abstand halten.

Wer Wasser predigt und Wein trinkt, fordert von anderen Verzicht und Zurückhaltung. Ich möchte mit meinen Profilen nicht hunderttausende um jeden Preis erreichen.

Dennoch möchte ich meine Reichweite erweitern und Menschen erreichen. Für diesen Zweck werde ich von Zeit zu Zeit Anzeigen schalten und sicher auch die ein oder andere hilfreiche Information hochladen. Dreh- und Angelpunkt bleibt vorrangig der Blog.

Häufige Fragen und Antworten

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Vielen Dank.

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Torsten Seidel Hier schreibt: Torsten Seidel
Gesundheits-Blogger mit Ausbildung zum ganzheitlichen Gesundheitsberater (fachliche Bez.: »Fachkompetenz für holistische Gesundheit«) mit Spezialisierung in Stressmanagement (IHK). Mehr Informationen in »Über mich«. Gern beantworte ich auch Leserfragen. | Beiträge abonnieren mit RSS-Feed.

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