Heuschnupfen ade? – Ein ErfahrungsberichtLesezeit ~ 7 Min.

Von Torsten Seidel, 18. August 2020, aktualisiert am 29. April 2024.

Seit dem späten Jugendalter habe ich mit Heuschnupfen zu Kämpfen. Je nach Pollenflug mal mehr, mal weniger. Viele Betroffene fragen sich, ob sie die Allergie wieder loswerden können. Eine pauschale Antwort gibt es dabei leider nicht. Ich habe verschiedene Wege gesucht, um die Heuschnupfen-Allergie wieder loszuwerden und möchte diese hier einmal aufzeigen.

Allergie verbessern oder ganz beseitigen – geht das?

Vorgeschichte: Seit Anfang der 2000er-Jahren hat sich bei mir Heuschnupfen jedes Jahr gezeigt – mal mild, mal schwer. Ich weiß es noch, als ob es erst letztes Jahr war: Es war nach meiner Lehre im Zivildienst. Erst rund 10 Jahre später habe ich einen Allergie-Test durchgeführt. Dies war ein sogenannter Pricktest. Dabei tropft der Arzt oder die Schwester eine allergenhaltige Lösung auf die Haut und sticht diese leicht an. Im Fall einer Allergie reagiert die Hautstelle. Heute kann man den Test auch bequem via Blutprobe zu Hause* durchführen und in ein Labor einschicken.

Dieser Test brachte Folgendes hervor (lt. Allergiepass):

  • Gräserpollen Mischung (+)
  • frühblühende Bäume I (Hasel, Birke, Erle) +++
  • frühblühende Bäume II (Weide, Esche, Pappel) (+)
  • Sommerkräuter Mischung +
  • Hausstaub-Milbe I+II (+)
  • Schimmelpilz-Mischung III (+)
  • Katze (+)
Heuschnupfen-Allergie ade
Heuschnupfen ade? – Ein Erfahrungsbericht.

Daraufhin empfahl man mir eine Hyposensibilisierung über einen Zeitraum von 3 Jahren. An dieser Hyposensibilisierung nahm ich dann auch teil. Theoretisch wäre auch ein Zeitraum von über 5 Jahren möglich.

Bei einer Hyposensibilisierung erhält man regelmäßig das Allergen in abgeschwächter Form gespritzt. Auch eine Tabletten-Vergabe ist möglich. Ich musste regelmäßig meinen Lungenarzt aufsuchen und bekam das Medikament per Spritze verabreicht. Danach musste ich ca. 20 Minuten waren, bis ich nach Hause durfte, um Komplikationen zu vermeiden. Im schlimmsten Fall kann es zu einer heftigen Überreaktion kommen (anaphylaktischer Schock). Oft musste ich bis zu 2 Stunden warten, bis ich überhaupt dran kam. Das war schon eine sehr zeitintensive Angelegenheit.

Nach den 3 Jahren war die Hyposensibilisierung beendet – geheilt war ich nicht. Die Allergie war jedoch deutlich besser geworden, wobei es nach 2 Jahren wieder schlimmer wurde – wenn auch nicht so extrem wie vor der Hyposensibilisierung.

Zuvor schloss ich mich in dunkle Räume ein oder verdunkelte die Zimmer. Die Augen tränten extrem wie auch die Nase. Antiallergikum hat nur selten geholfen und wenn, nur wenn ich die doppelte Menge nahm.

Wie kommt es zur allergischen Reaktion

Bei einer Allergie reagiert der Körper auf Substanzen, die zuvor oder bei anderen Menschen keine Reaktion verursachen, weil sie eigentlich harmlos sind. So verursachen Pollen eigentlich keinen Schaden und eine Abwehr ist eigentlich nicht nötig. Das Immunsystem stuft dies aber anders ein und reagiert teils heftig. Eine Allergie ist folglich eine Überreaktion des Immunsystems, meist auf bestimmte Proteine. Die Symptome können ganz unterschiedlich sein:

  • Bei Heuschnupfen, Fließschnupfen und tränende Augen
  • Bei Milben-Allergie teilweise Fließschnupfen bis ca. 2 Stunden nach dem Aufstehen
  • Bindehautentzündungen sowie juckende und gerötete Augen
  • allgemeiner Juckreiz
  • Bei Nahrungsmittel-Allergien Juckreiz und Brennen der Mundschleimhäute
  • Hautausschlag von leichten Beschwerden bis zur Atopische Dermatitis (Neurodermitis)
  • Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Durchfall)
  • allergisches Asthma
  • … bis hin zum anaphylaktischen Schock

Was sind die häufigsten Allergene, die Allergien verursachen?

  • Spitzenreiter bilden die Pollen. An Heuschnupfen leiden laut Statista 25 % der Deutschen¹ (2011)
  • Der Kot der Hausstaubmilbe ist das Allergen der Milbe. Man ist also nicht direkt auf Milben allergisch. Laut Statista betrifft es 5 %.¹
  • Nickel verursacht allergische Reaktionen der Haut.
  • Tiergifte können zum Allergen werden. Viele Menschen sind so gegen Wespen-, Hornissen-, Bienen- und Ameisengift allergisch und reagieren teilweise heftig.
  • Eiweiße (Proteine) aus Kuhmilch, Weizen, Hühner-Eier, Nüsse (Haselnuss, Erdnuss …), Meeresfrüchte, Soja bewirken immer häufiger Nahrungsmittel-Allergien.
  • Chemikalien in Medikamente, Reinigungsmittel, Körperpflege-Produkte oder auch in Inhaltsstoffen in Lebensmitteln, wie Konservierungsstoffen, können Allergien erzeugen.

Dabei sind die Reaktionen bei jeden Mensch anders. Pollen können so juckende und gerötete Augen als Reaktion heben, wie auch Fließschnupfen und Niesreiz bis hin zu Asthmaanfällen. Bei Allergenen, die mit der Nahrung aufgenommen werden, sind die unterschiedlichen Symptome noch deutlicher. Hier äußert sich die Allergie in Durchfall, Übelkeit oder Hautausschlag.

Die schulmedizinische Behandlung

Gerade bei einer Pollenallergie strebt man in der Regel eine Hyposensibilisierung an. Die Gefahr, dass sich darauf Asthma entwickelt, ist zu groß und durchaus begründet. Die Hyposensibilisierung verlief bei mir weniger erfolgreich. Andere haben vielleicht ganz andere Ergebnisse erzielt. Eine Hyposensibilisierung ist mit Tabletten oder Spritzen möglich. Die Methode über regelmäßige Spitzen dauert 3 bis 5 Jahre. Als Erfolgsquote gibt die »Techniker-Krankenkasse« Folgendes an²:

  • Allergie gegen Bienen- oder Wespenstiche = 90 %
  • Allergie gegen Pollen = 60 % bis 70 %
  • Allergie gegen Hausstaubmilben = 50 %

Eine Hyposensibilisierung gegen Schimmelpilze, Neurodermitis oder einer Nahrungsmittelallergie ist nicht zu empfehlen, die Erfolgsaussichten sind sehr gering. Bei einer Tierhaare-Allergie macht die Hyposensibilisierung ebenfalls wenig Sinn. Es wird viel mehr empfohlen, sich von vorhandenen Tieren zu trennen. Da die Tierhaar-Allergie bei mir sehr in Grenzen war, habe ich meine Katzen nicht »auf die Straße gesetzt«.

Grundsätzlich sollte man natürlich Allergieauslöser meiden, wenn möglich.

Die alternative Behandlung bei Heuschnupfen

Der Titel »Behandlung« ist eigentlich etwas irreführend. Es ist zum einen mehr eine Lebensstiländerung, die zum anderen einer Darmreinigung vorausgeht. Frei von Nebenwirkungen werden ggf. unbewusst andere »Baustellen« verbessert.

In meinem Fall war eine Darmreinigung nötig. Allein die Änderung der Ernährung hat »nur« eine Besserung bewirkt. Wie ich bei der Darmreinigung genau vorgegangen bin, habe ich bereits im Artikel »Darmreinigung« beschrieben.

Die Ernährung habe ich mit der Darmreinigung noch einmal verändert. Mehr Gemüse, Vollkorn, weniger tierische Proteine. Milchprodukte habe ich bereits seit 2015 weggelassen. Das heißt keine pure Milch, kein Käse (außer selten unterwegs). Als positive Folge verlor ich eine Haut-Reaktion am Rücken.

Natürliche Hyposensibilisierung

Eine Sensibilisierung dient dazu, dass sich das Immunsystem (wieder) an die gefährlich eingestuften Allergene gewöhnt und infolgedessen nicht mehr überreagiert. Als natürliche Hyposensibilisierung kann man so frühmorgendliche Spaziergänge verstehen. Ein Spaziergang bei jedem Wetter zu einer Urzeit, in der der Pollenflug noch mild verläuft, am besten vor dem Frühstück. Es ist sinnvoll, damit bereits ein paar Wochen vor der Pollenzeit zu beginnen. Ich begann damit ca. 4 Wochen vor der Saison.

Eine weitere Möglichkeit kann Honig sein. Allerdings muss der Honig vom Imker aus der eigenen Region sein. Honig aus anderen Regionen nützt nichts. Und natürlich sollte man keine Probleme mit Diabetes haben.

Kreuzallergien

Eine Allergie besteht auf ein bestimmtes Protein, zum Beispiel der Birke. Nun gibt es Früchte und Gemüse, dessen Protein ähnlich strukturiert ist. In der Heuschnupfen-Zeit können solche Allergene einzelner Früchte die Symptome verstärken.

Ich habe deshalb auf Erdbeeren, Himbeeren und Tomaten verzichten müssen wie auch auf sehr reife Bananen.

Fazit

Für dieser Saison kann ich sagen, dass ich zwei Tabletten benötigt haben + 2 Tabletten rein präventiv, da ich Besuch bekam, bzw. in einem Garten zu Gast war, wo letztes Jahr Reaktionen kamen. Im Nachhinein waren diese zwei Tabletten nicht nötig. Das macht 4 statt den Vorjahren 50 bis 60 Tabletten pro Saison! Ich denke, das Resultat kann sich sehen lassen und spricht für sich.

Änderung der Ess- und Trinkgewohnheiten, tägliche frühmorgendliche Spaziergänge in der Natur sowie eine neunwöchige Darmreinigung haben Wunder bewirkt. Denn Erwachsene verlieren Allergien nur selten einfach so, wie es oft bei Kindern der Fall sein kann. Die Alternative ist nur eine Hyposensibilisierung beim Facharzt.

Update, ein Jahr später

Wir schreiben den 28. Juni 2021. Bis vor wenigen Wochen habe ich gar keine Tablette nehmen müssen. Allerdings verschob sich dieses Jahr aufgrund des schlechten Wetters alles etwas nach hinten.

Es gab kaum Zwischenfälle. Die Reaktionen, die es gab, führe ich weitgehend auf Kreuzallergien zurück. Zu den oben genannten Lebensmitteln kommen noch Sonnenblumenkerne hinzu, die sich (zwischenzeitlich) im Müsli befinden. Das Resümee: vier Tabletten, von denen wohl 2–3 nicht nötig gewesen wären.

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Quellen / Fußnoten öffnen… ¹ https://de.statista.com/statistik/daten/studie/227049/umfrage/allergikeranteil-in-deutschland-nach-allergieform/
² https://www.tk.de/techniker/gesundheit-und-medizin/behandlungen-und-medizin/allergien-und-unvertraeglichkeiten/wie-hilft-die-hyposensibilisierung-bei-allergien-2021304 – Quelle gelöscht

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Torsten Seidel Hier schreibt: Torsten Seidel
Gesundheits-Blogger mit Ausbildung zum ganzheitlichen Gesundheitsberater (fachliche Bez.: »Fachkompetenz für holistische Gesundheit«) mit Weiterbildung in Stressmanagement (IHK). Mehr Informationen in »Über mich«. Gern beantworte ich auch Leserfragen. | Beiträge abonnieren mit RSS-Feed.

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